Savage, Jon:
England's Dreaming
Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock



Critica Diabolis 233

Aus dem Englischen von Conny Lösch

Neuauflage

Paperback, 544 Seiten
19.80 Euro
ISBN: 978-3-89320-206-5

In seinem Film »The great Rock'n'Roll Swindle« klärt der Manager der Sex Pistols Malcom McLaren in zehn Lektionen darüber auf, wie eine Pop-Gruppe gegründet und vermarktet wird, wie sich die großen Plattenfirmen am besten über den Tisch ziehen lassen und wie man die Touristenattraktion Nummer 1 auf der Welt wird. Wie in jedem modernen Mythos vermischt sich Wahrheit mit Legende und bietet jede Menge Raum für Selbststilisierungen. Jon Savage hat sich mitten in diese unglaubliche Geschichte hineinbegeben. Entstanden ist ein in England und Amerika hoch gelobtes Buch über Punk Musik, über The Clash, Ramones und andere Gruppen, die neben den Sex Pistols ihr Unwesen trieben. Wie Savage die Geschichte des Punk vor dem sozialen und politischen Hintergrund der siebziger Jahre beleuchtet und als Phänomen einer verarmten und verlorenen Jugend interpretiert, die auf die Glücks-versprechungen der Gesellschaft pfeift und ihr Haß und Verachtung entgegenschleudert, ist brillant.

Es ist aber auch die Geschichte der vier Jungs aus einer ziemlich verrotteten Gegend in Löndon, die Geschichte von John Lydon alias Johnny Rotten, Sid Vicious, Steve Jones und Paul Cook, »extrem häßliche« Dilettanten, »die keinen blassen Schimmer« hatten, »Ausgestoßene«, die niemand wollte. Mit »God save the Queen« stürmten sie die Charts, während der Rundfunk sich weigerte, das Stück zu spielen. Durch ihr rotzig-pubertäres Auftreten wurden sie zum »Liebling« des nach Skandalen hechelnden Boulevard und zu den Prügelknaben der Nation. Jon Savage erzählt episch, ausschweifend und läßt immer wieder die Protagonisten selbst zu Wort kommen. Eine packende Studie, in der auch die 10. Lektion geklärt wird: »Who killed Bambi?«

Mit zahlreichen Fotos und einer umfangreichen Diskographie


Leseprobe als pdf
Cover in Druckqualität

Pressestimmen:

  • »England's Dreaming hat Gemeinsamkeiten mit der Bibel ... obwohl man einschränken muss, dass Jon Savages Opus besser recherchiert ist als die Bibel und die besseren Pointen hat. (...) Was damals nach dem Startschuss so geschah mit der Anarchie, den Sex Pistols und dem Punk Rock, ist bekannt und wurde seitdem oft erzählt, aber selten so minutiös wie von Jon Savage. (...) Bemerkenswert ist die Dichte an Informationen, Anekdoten, wichtigen und unwichtigen Details; Savage steckt in vier Seiten, woraus andere einen 400 Seiten langen Roman, einen Film und zwei Videospiele machen würden.« (Juliane Liebert, Süddeutsche Zeitung)
  • »Am mächtigsten war Punk, als er noch nicht definiert war. Für Jon Savage waren die Sex Pistols ein "Hass/Liebe-Generator", der "emotionale Verstörtheit" garantierte.« (Christof Meueler, junge Welt)
  • »Die bislang detaillierteste und faktenreichste Dokumentation zur Geschichte des Punkrock. [...] England's Dreaming ist eine Faktenfundgrube. Hier gibt's den echten Stoff, der Nirvana erst möglich gemacht hat.« (Musikexpress)
  • »Brillante Aufarbeitung der englischen Punk-Bewegung.« (Rolling Stone)
  • »Eine Sozialgeschichte des Punk als Avantgardebewegung.« (Deutschlandfunk)
  • »Eine fulminante Chronik der Punkjahre in England. Savage gehört neben Lester Bangs, Nick Kent, Julie Burchill und Greil Marcus zu den Großen seiner Zunft.« (taz)
  • »Es ist faszinierend wie Savage den großbritannischen Konsens, der bis Anfang der Siebziger herrschte, enttarnt als Klassenlüge, denn die Illusion der Sechziger, in einer klassenlosen Gesellschaft zu leben, hatte sich längst als Trugbild erwiesen.« (Jürgen Weber, Versalia - Literaturportal)
  • »Ein Buch, das man nicht genug loben kann.« (Frankfurter Rundschau)
  • »Herausragend an England's Dreaming ist, daß Savage sich nicht nur der Popmusik nähert, sondern stets die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Thatcher-Ära im Auge hat, ohne die Punk so nie hätte entstehen können.« (Berliner Morgenpost)
  • »Im Gegensatz zu Greil Marcus, dessen Lipstick Traces Punk als Anti-Kunst-Bewegung in eine Tradition mit Dada und den Situationisten stellt, hält sich Savage mit kulturgeschichtlichem Crossover zurück und schafft doch mit wenigen Sätzen ein wesentliches Merkmal der Bewegung hervorzuheben: Punk war ein Sammelbecken von Minderheiten. Wer sich dieser Bewegung anschloß, fühlte sich auf je eigene Weise gesellschaftlich unterdrückt oder doch zumindest ausgegrenzt. […] Punk war die letzte große Subkultur, die sich bewußt und mit Leidenschaft außerhalb der Gesellschaft stellte – und zwar im Sinne von Verlierern, die sich als Opfer stilisierten. Ganz anders wirken dagegen die Gesten von Männlichkeit und Stärke, die muskulösen tätowierten Oberkörper, die heute [...] so gerne zur Schau gestellt werden.« (Martin Büsser, konkret)
  • »Dieses Meisterwerk über die Popkultur der 1970-er Jahre ist eine ausgezeichnete Beschreibung der relevanten Schnittstelle zwischen Mode und Musik, die man im deutschen Kulturraum ja nie so im Auge hatte.« (Wolfgang Bortlik, Strapazin)
  • »Jon Savage schafft es, 500 Seiten lang zu fesseln. Alles ist so spannend und lebensnah geschrieben.« (literaturkritik.de)